Alle nach rechts...? Wie jetzt? - Genauso verdutzt habe ich reagiert, als ich erfuhr, dass bei uns im Dorf ein "Spieleerfinder" wohnt. Das ist ja mal etwas außergewöhnliches, was wir uns unbedingt ansehen sollten. Also suchten wir als Jugend- und Kulturausschuss Horst Krüger auf, um ihn zu einer Homestory auf unserer Bürgerseite zu bewegen.

 

 

 

 

Bei "Alle nach rechts" handelt es sich um ein Gesellschaftsspiel, das Horst Krüger kreiert hat, es ist sozusagen das Masterpiece unter seinen Spielen. Eigentlich stammte die Idee für das Spiel von seinem Cousin über den Horst an die Sache gekommen war. Aber erst unter Horsts Fuchtel wurde das Spiel verfeinert, gebaut, getestet und vertrieben. Sozusagen eine "One-Man-Show" was Entwicklung, Produktion, Marketing und Vertrieb angeht.

 

 

 

Aber der Reihe nach. Um zu verstehen, um was es bei der Sache geht, spielt man am besten gleich mal eine Runde. Und so versammeln wir uns am gemütlichen Kaffeetisch in Horsts und Annes Wintergarten und ehe man sich versieht, sind die Spielutensilien aufgebaut und der erste Wurf hat begonnen. Dabei entdecke ich gleich den ersten Vorteil des Spiels, es ist überall schnell aufgebaut. Da der kleinste Tisch reicht ist es auch in der Bahn oder im Flugzeug bestens geeignet um sich die Zeit zu vertreiben.

 

Ich wundere mich noch darüber, dass Horst ohne viel zu erklären einfach die Spielrunde eröffnet. Tatsächlich benötigt man als Anfänger nur ein paar Basisfakten, alles andere ergibt sich aus dem Spielverlauf - auf Neudeutsch: Learning by doing - was mir sehr entgegen kommt.

 

 

Das Spiel besteht aus einer Würfelschale (Würfeltablett), 6 Würfeln und einem Spielrahmen in dem Perlen verschoben werden.

Die Perlen haben Wertigkeiten von 1 - 12, von jedem Wert gibt es 7 Perlen. Zu Beginn hat jeder Spieler die volle Perlenzahl.

 

 

Ziel des Spiels ist es, durch Würfeln und geschicktes Kombinieren der Würfelaugen alle Perlen abzubauen. Bei den gewürfelten Augen gibt es etliche Kombinationsmöglichkeiten, was die eigentliche Herausforderung des Spiels darstellt. Wer zuerst alle Perlen nach rechts abbauen konnte hat gewonnen.

 

Die weiteren Plätze ergeben sich aus der Anzahl der verbliebenen Punkte (Perlenwert * Anzahl verbl. Perlen). Hartgesottene ersetzten die Perlen mit Geld (Cents pro Punkt) und bringen so einen Hauch Las Vegas in die Spielrunde.

 

 

 

Ehe man sich versieht, ist so eine geschlagene Stunde verstrichen. Ich kann es erst nicht glauben, denn gefühlt waren das eher 10 Minuten.

Das Spiel eignet sich für Kinder, auch im Vorschulalter. Zählen bis 12 wird dabei spielend leicht erklärt und das Gefühl für einfache Zahlen sehr gut unterstützt. Als Erwachsener braucht man 1 - 2 komplette Runden um spielesicher zu werden. Die vielen Kombinationsmöglichkeiten und etwas strategisches Denken machen jede Spielrunde enorm spannend wie interessant zugleich.

 

Jetzt wollen wir die Produktionsstätte in Augenschein nehmen. In einem kleinen Nebengebäude hat sich der gelernte Tischler auf kleinstem Raum eine Tischlerwerkstatt eingerichtet. Man sieht sofort, hier hat jemand seinen Beruf zum Hobby gemacht. 

 

 

 

Alles ist wohlgeordnet und am richtigen Platz. Mich beschleicht allerdings ein leichtes Unbehagen, weil ich sofort an meine eigene Werkzeugkammer denken musste - dort herrscht Chaos pur!

 

 

 

 

 

Bei der Holzdrehbank sitzt Horst mit dem Holzlöter und brennt die Gravuren in den Spielerahmen. Somit stellt jedes Spiel ein absolutes Unikat dar. Hier in der Werkstatt verbringt er vor allem in der dunklen Jahreszeit viel Zeit bei der Produktion der Spiele.

 

 

 

 

Über den Schrank mit den Schleifmaschinen hängt eine Weltkarte mit Fähnchen für jedes Land, in der das Spiel "exportiert" wurde. Namibia, Mexiko, Südafrika - Made in Groß Schenkenberg weltweit! Insgesamt wurden bisher über 2.000 Spiele an Mann und Frau gebracht. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass das Spiel durch reine Mund-zu-Mund-Propaganda vertrieben wird!

 

Zwei Fragen tun sich auf, die man in so einem Zusammenhang einfach stellen muss. Die eine ist, ob man tatsächlich das verdient was man an Arbeit reinsteckt? Leider nicht - die handwerkliche Leistung würde kein Mensch bezahlen. So ist der Erlös eher ideeller Natur, in Form von Freude und positiver Rückmeldungen und nicht zuletzt das Lachen der Kinder über das schöne Spiel.

Die andere Frage ist, warum man das Spiel nicht einmal den großen Marktführern angeboten hat? Die verfolgen jedoch eine andere Marktstrategie. In Zeiten von Internet und Smartphones muss man, was Design angeht, entsprechend dagegenhalten. Dafür ist Horsts Spiel nicht gedacht. So wie es ist, ist es perfekt auf seine Zielgruppe abgestimmt und daran soll sich nichts ändern - und das ist gut so.

 

 

 

 

 

"Rund um die Sechs" und "Leitergolf" sind zwei weitere Spiele, die in Horsts Werkstatt entstehen.


 

Das war ein äußerst informativer und gemütlicher Nachmittag bei Anne und Horst.

Ich musste nicht lange nachdenken, ob es irgendeinen Nachteil bei den Spielen gibt - es gibt tatsächlich einen:

 

Hier herrscht absolute Suchtgefahr! 


Flag Counter

Flag counter aktiv seit 30 Jan 2017